Das Erlebnis-Theater vom Sommerfest 2014 ist zurück!

Die Geschichte von Omegron

Hallstatt, 150 v. Chr.: Der junge Mogetius begleitet seinen Lehrmeister, den Druiden Ogmios auf die umliegenden Wiesen vor der Siedlung – Kräuterkunde steht auf dem Stundenplan. Mogetius langweilt sich zu Tode. Wie man Löwenzahn zum Heilmittel weiterverarbeitet interessiert ihn nicht, viel spannender ist die Frage, was es heute zu Essen gibt – der letzte Hirseeintopf scheint Tage her zu sein. Während Ogmios über eine Tinktur gegen Hühneraugen schwadroniert, bleibt Mogetius in Gedanken versunken zurück und streicht geistesabwesend über das hüfthohe Gras der Blumenwiese. Da sieht er plötzlich etwas im Gras: Eine kleine Figurine, die Statue einer nackten Frau mit großen Brüsten und ausladenden Hüften. Fasziniert tritt er näher. Die Figur ist rot und sieht aus wie neu, als ob sie jemand gerade eben erst dort abgesetzt hätte. Mogetius blickt auf, kann aber nirgendwo einen potentiellen Besitzer entdecken. Irgendwas an der Statue ist seltsam, aber auch seltsam verlockend: Er fühlt sich leicht schwindlig, als er die Hand danach ausstreckt. Aber während er noch völlig im Bann der Statue steht, der Hirseeintopf plötzlich vergessen ist, die Grillen ihren Gesang einstellen und die Welt ein wenig dunkler zu werden scheint, kommt ihm Ogmios zuvor und schlägt seine Hand beiseite. ‚Nicht anfassen,’ sind seine einzigen Worte und Mogetius weiß instinktiv, dass sein Lehrmeister ihm damit das Leben gerettet hat. An diesem Tag ändert sich die Geschichte der Welt.


Wie die Venus nach Willendorf gekommen ist, weiß niemand. Aber der Bau der Donauuferbahn 1908 fördert Wissen zutage, das für immer begraben sein sollte. Fast gleichzeitig erhält der Archäologe Josef Szombathy ein mysteriöses Telegramm: Kommen Sie zur Baustelle – STOP – sie ist wieder da – STOP – beeilen Sie sich.
Sofort macht sich Szombathy auf den Weg, aber für den Bauarbeiter, der die Venus ausgegraben hat, kommt jede Hilfe zu spät: Nur seine Spitzhacke deutet darauf hin, dass er jemals hier war – das Metall ist geschmolzen, der Schaft verbogen. Der Mann selbst wurde nie wieder gesehen. Szombathy weiß, was er zu tun hat: Schon vor Jahren hat er eine Kopie der Venus anfertigen lassen, die er nun gegen das Original tauscht und dieses in einem eigens dafür gebauten Gefäß verschwinden lässt. Das Gefäß schickt er seinem Freund und Kollegen Hans Thirring, der das Artefakt sofort in die Sammlung integriert.


Thirring ist Leiter einer Geheimgesellschaft namens Omegron, die sich mit dem Auffinden und Sicherstellen jener Artefakte befasst, die die Büchse der Pandora öffnen würden und das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkel empfindlich stören könnten. Seit Mogetius, dem keltischen Gelehrten und Gründer der Geheimgesellschaft, wurde sein Wissen von Generation zu Generation weitergegeben, vermehrt, gehütet und vor der Öffentlichkeit versteckt. Omegron sieht sich als Gesellschaft der Wächter und Grenzer, die einem ganz einfachen Kodex folgt: Lenken, nicht leiten. Jedes Mal, wenn ein Ereignis die Welt aus der Bahn zu werfen droht, spüren die Mitglieder des weit verzweigten Netzwerkes die Ursache auf, operieren im Verborgenen, ziehen die Fäden im Hintergrund und stellen sicher, dass der rechte Weg bestehen bleibt. Das Hauptquartier befindet sich versteckt im Untergrund. Aber immer wieder schlägt Omegron seine Zelte in verschiedenen Regionen Österreichs auf und beginnt seine Nachforschungen. 

Auch jene, die wir Ungläubigen als Mythos abtun, sind sicher verwahrt in den Händen von Omegron: Der liebe Augustin spielt seine Lieder zur Belustigung von Omegrons Mitgliedern, der zu Stein erstarrte Basilisk kann sich zwar nicht bewegen, aber aus den rotglühenden Augen spricht immer noch die Mordlust. Das Donauweibchen wird in einem Wassertank gehalten, den man sich nicht mehr als 10 Schritte nähern darf. Ein roter Strich markiert die Grenze zur Verführung – darüber hinaus wird der Sirenengesang zu laut, der Wunsch ins Wasser zu gehen übermächtig. Und die Gräfin Seeau sitzt zwar hinter Schloss und Riegel in einem fürstlich eingerichteten Zimmer – das hält sie aber nicht davon ab, ihre Beschwörungen an unvorsichtigen Besuchern zu probieren, die ihr Essen bringen.

Das System von Täuschung und Tarnung hat Jahrhunderte lang gut funktioniert. Omegron hat der Welt weis gemacht, dass es sie nicht gibt. Dass es Magie nicht gibt. Dass der Teufel tot und die Wissenschaft lebendig ist. Aber in letzter Zeit häufen sich die mysteriösen Ereignisse. Die Toten häufen sich. Der Fettfischer Karli erzählt von Blutströmen, die den Kanal hinunter fließen. Der Pompfüneberer Franz Swoboda fischt seltsam verdrehte Leichen aus der Donau und verscharrt sie heimlich auf dem Friedhof der Namenlosen. Und aus dem Stein des Basilisken dringt grauer Rauch – wie lange wird sein Gefängnis noch halten?

Manche Mitglieder glauben, es liegt an einer ungünstigen Konstellation der Gestirne. Andere wiederum sind überzeugt, ein letzter, großer Kampf steht unmittelbar bevor. Einige fatalistische Mitglieder behaupten, die Welt hat sich weitergedreht und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Grauen in den Kellern von Omegron wieder an die Oberfläche bricht. Wenn das geschieht, ist Österreich verloren. Die ganze Welt ist verloren…


"DIRIGERE NON REGERE"

OMEGON.ORG